Sonntag, 6. April 2008

Südafrika – Das Land der Hoffnung

Faszinierend, begeisternd, grandios, berührend: Alle Superlative finden sich bereits in diesem Blog. Deswegen sagen wir heute, obwohl alles wieder treffend ist, einfach: Es war ein guter und einfach schöner Tag. Wie sollte ein Tag auch anders sein, den wir am Kap der guten Hoffnung verbringen durften. Auf einer Küstenstraße ging die Fahrt auf der Halbinsel entlang bizarrer Klippen, in denen die Wogen des Atlantik anbranden. An den Felsen brechen die meterhohen Wellen, die Gischt funkelt im Sonnenschein. Neben uns erstreckt sich das kleinste und reichste Pflanzenreich der Welt. Obwohl es nur 0,4 Prozent der Erdoberfläche ausmacht, finden sich hier 8000 Pflanzenarten. 2000 von ihnen kommen tatsächlich nur am Kap natürlich vor. Die meisten gehören zum Feingebüsch. Den größten Anteil macht die Protheagruppe aus. Die Prothea ist die Nationalblume Südafrikas, benannt nach dem griechischen Gott Protheus, der seine Gestalt ändern konnte. Genau so mannigfaltig blüht diese Pflanzenart entlang des Weges. Allein 650 verschiedene Sorten von Heide wachsen auf dem Gestein. Regelmäßige Brände der Flora sind hier sogar gewollt, weil die Samenkapseln des Feingebüsches so hart sind, dass sie nur im Feuer aufplatzen können. Der Bruder Feuer aus dem franziskanischen Sonnengesang darf hier seine befruchtende Kraft wirken. Die Spuren des kürzlichen Brandes, die zunächst betroffen machen, sind die Spuren zu neuem Leben. Der Gedanke der Vergänglichkeit, von Vergehen und Werden, ist hier greifbar nah, in den Pflanzen, in Ebbe und Flut, in den immer wieder neuen Formen des mächtigen Gesteins, das vom Meer geglättet wurde.

An der Kapspitze haben die Domspatzen schnell ein großes Publikum, als sie bei der so berühmten Wegmarke ihr Lied anstimmen. Einige deutsche Touristen singen erstaunt und fröhlich mit. Beim Mittagessen am Kap-Point eröffnet sich wieder der weite Blick auf den Ozean. Schwarz-weiße Strauße und ihre grauen Weibchen stolzieren durch das Gras. Vögel mit schillerndem Gefieder picken listig nach der Brotzeit der Gäste. Mäuschen sammeln auf dem Parkplatz die Krummen ein. Tatkräftiger zeigen sich die Paviane. Sie klauen schon mal ganze Rucksäcke, um sich den Nahrungsvorrat der Reisenden zu teilen. Zufrieden sitzt ein Pavian mit einem erhaschten Sandwich auf dem Dach eines parkenden Autos. Zebras grasen an den Hängen, als wir auf der anderen Seite der Halbinsel durch den Naturpark zurückfahren.

Es bleibt nur kurz Zeit zum Umziehen, bevor wir wieder starten. Durch die Stadt mit ihren prachtvollen Bauten, aber auch monströsen Hochhäusern geht es über die Autobahn in ein Town-Ship. Kilometerlang reihen sich die Wellblechhütten. In dem größten Township vor Kapstadt leben 800 000 bis eine Million Menschen. Wir steuern ein etwas kleineres, noch weiter vom Zentrum entferntes Township an. In der St. Timothy Gemeinde in Tafelsig feiern wir heute gemeinsam Gottesdienst. Die Melodien der Kirchenlieder laden sofort zum Mitsingen ein. Father Emanuel Siljeur zelebriert gemeinsam mit Father William (Dompropst Dr. Wilhelm Gegenfurtner) und Father Peter (Domkapitular Peter Hubbauer). Mit Charisma und Begeisterung lässt er die Bedeutung des Ostergeheimnisses noch einmal gegenwärtig werden. Er spricht von Gemeinschaft im Glauben, ruft dazu auf, zusammen zu stehen. „Gott wirkt durch die alltäglichen Erfahrungen. Öffnen wir die Augen, wir sehen Neues, Gott ist in jedem zu erkennen, Gott verlässt uns nicht, Gott ist mit uns, Gott hat gelitten und ist auferstanden!“ In kraftvollen, enthusiastischen Worten gibt er den rund 60 Gläubigen aus der Siedlung, die gekommen sind, Hoffnung. Mehr trauen sich nicht zum Vorabendgottesdienst, erzählt er uns nach der Messe. Sie haben Angst, wenn sie im Dunkeln wieder nach Hause gehen müssen. Es ist dieser Gegensatz, der auch hier begegnet. Die Lebensbedingungen sind feindlich, Armut setzt viel zu enge Grenzen. Doch die Menschen, die in dieser Armut leben, begegnen uns mit Freude und offener Herzlichkeit. Warm tauschen sie mit uns den Friedensgruß, wir nehmen uns an den Händen und beten gemeinsam für alles, was in den Fürbitten zum Ausdruck kommt: der Wunsch nach Frieden, Toleranz und den Geschenken begründeter Zuversicht. Mit Beifall danken die Gottesdienstbesucher den Domspatzen, dem Chor aus der Heimat des Papstes, wie ihn Father Emmanuel vorgestellt hat, nach dem anschließenden Konzert. Wieder kehren wir beschenkt zurück, aus dem Township, wo die Hoffnung aus dem Glauben auch in Wellblechhütten zuhause ist.

Kommentare:

BvB hat gesagt…

Guten Morgen nach Südafrika,
Faszinierend, begeisternd, grandios, berührend ... diese Superlativen muß man auch an das Orga- und Betreuerteam, Hr. Büchner, den Präfekten - einfach an Alle die mit der Reise zu tun haben, weitergeben. Wenn man dann die Zeiten anschaut, wann die Berichte kommen, muß man davon ausgehen, dass ein Schichtplan erstellt worden ist. Zu jeder Tages- und Nachtzeit im Dienst.Dafür ein herzliches Vergelt's Gott von unserer Seite aus.
Den Ersten, die nun die Heimreise (morgen) antreten dürfen (müssen) wünschen wir einen guten Heimflug.
Schöne Grüße, besonders an Jochen aus dem verregnetem und vernebelten Batzhausen wünscht Euch Allen
Fam. Anders

Anonym hat gesagt…

Grüße und Dank an alle, die den Domspatzen diese Reise der Superlative ermöglicht haben. Besonderen Gruß an Andreas. Euch allen einen guten Heimflug - möglichst ohne Luftlöcher.

Fam. Liebl

Familie Franzen hat gesagt…

Hallo liebe Domspatzen-Familie!
Toll, dass es bis zum Schluss aktuelle und reich bebilderte Informationen gibt. Nochmals ganz liebe Grüße an das fantastische Redaktionsteam und vor allem an Herrn Hartmann (wir konnten sogar dreimal mit David via Skype telefonieren).
Ein besonderer Dank aber auch an alle übrigen Verantwortlichen, die den Domspatzen diese einmalige Reise ermöglicht haben, die sie und auch wir zu Hause sicherlich nie vergessen werden.
Viele Grüße an alle, besonders natürlich an David und Euch allen einen schönen Heimflug wünscht Euch
Familie Franzen

Verena Heß hat gesagt…

Hallo alle zusammen :)
Echt tolle Berichte, man hat das Gefühl, hautnah mit dabei zu sein! Immer wieder ist es schön, wenn man ein bekanntes Gesicht auf einem Foto vor diesen unglaublichen Kulissen entdeckt - oder auch, wenn einer schon ganz hungrig aufs Essen schaut(nicht wahr, Christoph?;). Genießt die restliche Zeit am Kap, eine gute Heimreise!
Liebe Grüße, ganz besonders an Sebastian
Fam. Heß

Anonym hat gesagt…

Liebes Redaktionsteam - tosenden Applaus, stehende Ovationen für eure Berichte - für die ganze Reise, zumindest empfinden wir daheimgebliebenen Eltern es so!! Täglich wird gelesen - u. deshalb habe ich gerade festgestellt, dass die Berichte von Freitag u. Samstag, Durban u. Tafelberg - diese fröhlichen Fotos nicht mehr im blog zu sehen sind - haben das auch schon andere festgestellt, oder ist bei meinem Computer etwas nicht in Ordnung??? Vielleicht kann jemand was dazu sagen, vielleicht kann es ja wieder mal reingestellt werden (muss ja nicht sofort sein, reicht auch wenn ihr wieder daheim seid u. euch etwas erholt habt. Nochmals tausend Dank. Viele Grüße
Fam. Bauer, Samberg

Anonym hat gesagt…

Einen wunderschönen guten Abend nach Kapstadt,
hiermit möchten wir der 1. Gruppe, die morgen nach Hause fliegt eine gute Rückreise wünschen. Denen, die noch in Kapstadt bleiben dürfen, einen erlebnisreichen Tag.
Haben leider auch die schönen Bilder und Berichte von Durban und Kapstadt-Tafelberg vermisst. Vielleicht können die wieder ins Netz gestellt werden?!
Viele Grüße an Alle (v.a. an Florian, auch aus Bad Homburg) Fam. Wirth

Anonym hat gesagt…

Tausend Dank an alle, die an diesem spannenden und fantastisch bebilderten Reisebericht beteiligt waren. Jetzt freuen wir uns schon auf die Liveberichte! Danke auch für die vielen e-mails von Herrn Hartmann, die sehr informativ besonders für uns Eltern waren.
Wir wünschen allen einen reibungslosen Heimflug in die leider sehr kalte Heimat. Grüße an alle, besonders an Felix!
Fam. Ostermeier

Anonym hat gesagt…

Liebe Grüße an alle, die an dieser wunderbaren Reise teilnehmen dürfen und vor allem auch die, die sie ermöglicht haben. Schön, dass auch wir Daheimgebliebenen durch die unglaubliche Berichterstattung immer wissen, wie es der Gruppe bei all ihren Erlebnissen geht!
Eine gesunde und fröhliche Heimreise an alle.
Bis dahin herzlichen Dank und viele liebe Grüße besonders an Patrick!
Elke und Familie